Rede zum Ruhestand eines Kollegen: Aufbau, Tipps und Beispiel

Aktualisiert am 9. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Eine Rede zum Ruhestand eines Kollegen dauert drei bis fünf Minuten, das sind etwa 400 bis 650 Wörter. Würdigen Sie die Laufbahn in wenigen Sätzen, erzählen Sie eine Geschichte aus dem Arbeitsalltag, die alle im Raum verstehen, sagen Sie, was von Ihrem Kollegen bleibt, und schließen Sie mit guten Wünschen und einem Glas. Witze über Alter, Gesundheit oder „endlich Ruhe“ lassen Sie weg.

Wann und wo die Rede gehalten wird

Die Verabschiedung in den Ruhestand findet oft während der Arbeitszeit statt: in der Kantine, im Besprechungsraum oder mitten in der Werkhalle, mit Sekt, Kaffee und belegten Brötchen. Meist spricht zuerst die oder der Vorgesetzte, danach ein langjähriger Kollege, manchmal der Betriebsrat. Das letzte Wort hat traditionell die Person, die geht. Manche laden zusätzlich zu einem Ausstand am Abend ein, im Lokal um die Ecke oder im Vereinsheim.

Ihre Rolle als Kollegin oder Kollege ist eine andere als die der Chefin. Die Vorgesetzte würdigt Leistungen und dankt im Namen des Unternehmens. Sie dürfen vom Alltag erzählen: von der Kaffeemaschine, von der Nachtschicht, von dem Satz, den alle im Team nachsprechen können. Sprechen Sie sich vorher kurz ab, wer welche Geschichte erzählt, damit nichts doppelt kommt.

Der Aufbau

1. Der Einstieg (etwa 30 Sekunden)

Begrüßen Sie Ihren Kollegen, seine Familie, falls sie da ist, und die Kolleginnen und Kollegen. Sagen Sie in einem Satz, woher Sie ihn kennen, zum Beispiel seit wann Sie im selben Büro sitzen.

2. Die Laufbahn in wenigen Sätzen (etwa 45 Sekunden)

Wann er angefangen hat, welche Stationen es gab, was sich in dieser Zeit verändert hat. Eine kleine Gegenüberstellung wirkt oft besser als eine Liste: „Als du angefangen hast, gab es hier ein einziges Faxgerät. Heute haben wir drei Apps für die Urlaubsplanung.“

3. Eine Geschichte aus dem Arbeitsalltag (etwa eineinhalb Minuten)

Wählen Sie eine Geschichte, die zeigt, wie Ihr Kollege arbeitet und wie er mit Menschen umgeht. Erzählen Sie sie so, dass auch die Neuen sie verstehen, die erst seit einem Jahr dabei sind. Gut eignen sich Momente, in denen etwas schiefging und er die Ruhe bewahrt hat.

4. Was bleibt (etwa eine Minute)

Die Menschen, die er eingearbeitet hat, die Ordnung, die er eingeführt hat, ein Satz, der im Team weiterlebt. Hier wird die Rede persönlich: Sagen Sie, was Sie selbst von ihm gelernt haben.

5. Wünsche und das Glas (etwa 30 Sekunden)

Greifen Sie auf, was er vorhat, die Reise, den Garten, die Enkel, und wünschen Sie ihm genau das. Dann bitten Sie alle, das Glas zu erheben. Wenn es ein Geschenk gibt, ist jetzt der Moment, es zu überreichen.

Der richtige Ton im Kollegenkreis

Eine Verabschiedung im Betrieb ist eine halb öffentliche Feier. Im Raum stehen Auszubildende und Geschäftsführung, Freunde und Menschen, die Ihren Kollegen kaum kennen. Deshalb gelten ein paar einfache Regeln:

  • Kein Altersspott. Sätze wie „Rentner haben nie Zeit“ oder Witze über Rücken und Vergesslichkeit hat er schon zu oft gehört. Sie wirken gedankenlos.
  • Nichts über die Firma, das kränkt. Seitenhiebe auf die Geschäftsführung, alte Umstrukturierungen oder ehemalige Kollegen bringen alle in Verlegenheit.
  • Keine Gesundheit, kein „endlich weg“. Auch nicht als Scherz. Viele gehen gern, manche mit gemischten Gefühlen.
  • Rücksicht auf stille Menschen. Mag Ihr Kollege keinen großen Auftritt, halten Sie die Rede kurz und lassen ihn nicht vor allen etwas vorführen.

Wenn Sie die Rede als Vorgesetzte oder Vorgesetzter halten, danken Sie zusätzlich im Namen des Unternehmens und nennen ein, zwei konkrete Verdienste. Dafür können Sie die Rede für jemanden aus Ihrem Team beginnen.

Beispielrede zum Ruhestand eines Kollegen (erfundenes Beispiel)

Die folgende Rede ist ein erfundenes Beispiel: Namen, Firma und Geschichten sind ausgedacht. Ein Kollege verabschiedet den langjährigen Leiter der Instandhaltung in einem Verpackungswerk, etwa vier Minuten lang.

Lieber Rainer, liebe Doris, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich bin Martin aus der Instandhaltung, und ich arbeite seit neunzehn Jahren mit Rainer zusammen. Genauer gesagt: Ich arbeite seit neunzehn Jahren neben Rainers Werkzeugwagen. In diesem Wagen hat jede Schublade ein Schild. Jede. Auch die Schublade, in der die Schilder für die Schubladen liegen.

Rainer hat 1985 bei Brenner Verpackungen angefangen, als Schlosser in der Frühschicht. Damals gab es zwei Linien, ein Telefon in der Halle und eine Kaffeemaschine, die nur Rainer reparieren durfte. Heute gibt es sieben Linien, ein Leitsystem mit drei Bildschirmen und immer noch eine Kaffeemaschine, die nur Rainer reparieren darf. Seit 2004 leitet er die Instandhaltung, und in dieser Zeit hat er dreiundzwanzig Auszubildende durch die Prüfung gebracht.

Eine Geschichte kennen hier fast alle, aber die Neuen sollen sie auch hören. Im Dezember 2013 stand Linie 3 still, drei Tage vor der größten Lieferung des Jahres. Wir standen zu sechst an der Maschine und haben geschraubt, gemessen, geflucht. Rainer kam dazu, hat sich mit seiner Thermoskanne auf einen umgedrehten Eimer gesetzt und zwanzig Minuten lang nur zugehört, wie die Linie klingt. Dann ist er aufgestanden, hat eine einzige Schraube an der Kettenspannung nachgezogen, und die Linie lief. Er hat seinen Tee ausgetrunken und gesagt: „Erst gucken, dann schrauben.“

Dieser Satz hängt heute in unserer Werkstatt, auf einem Schild, das Rainer selbst gedruckt hat, natürlich. Aber eigentlich hängt er in unseren Köpfen. Ich habe ihn meinen Kindern beigebracht, für die Mathehausaufgaben. Und ich weiß von mindestens drei ehemaligen Azubis, dass sie ihn ihren eigenen Azubis beibringen.

Was Rainer mir gezeigt hat, steht auf keinem Schild. Er hat nie jemanden vor anderen bloßgestellt. Wenn einer von uns einen Fehler gemacht hatte, kam Rainer später an die Werkbank, hat sich danebengestellt und gefragt: „Was hast du gesehen?“ Nicht: „Was hast du falsch gemacht?“ Das ist ein kleiner Unterschied, und er hat aus vielen von uns bessere Handwerker gemacht.

Rainer, ab Montag gehört dein Werkzeugwagen Sabine. Sie hat versprochen, kein einziges Schild abzumachen. Wir glauben ihr ungefähr zur Hälfte.

Doris hat uns verraten, dass im Mai das Wohnmobil vor der Tür steht und es dann nach Norwegen geht, bis ans Nordkap. Wir haben uns gedacht, dass man dafür etwas Ordentliches braucht. Deshalb haben wir zusammengelegt: eine neue Thermoskanne. Sie ist graviert. Was draufsteht, kannst du dir denken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte erhebt mit mir das Glas. Auf Rainer, auf einundvierzig Jahre, auf jede Schraube zur richtigen Zeit. Gute Fahrt, Rainer. Erst gucken, dann fahren.

Warum diese Rede funktioniert: Die Laufbahn passt in drei Sätze, die Geschichte von Linie 3 versteht auch, wer erst seit Kurzem dabei ist, und der Satz „Erst gucken, dann schrauben“ zieht sich bis zum Geschenk und zum letzten Wort. Kein Wort über Alter oder Gesundheit, dafür ein ehrlicher Dank. Wenn Sie eine solche Rede aus den Geschichten Ihres Teams formen möchten, können Sie Ihre Rede zum Ruhestand mit einer kostenlosen Vorschau beginnen.

Sätze für den Anfang und den Schluss

Für den Anfang

  • „Liebe [Name], ich habe lange überlegt, wie man [Anzahl] Jahre in fünf Minuten erzählt. Ich habe mich für eine einzige Geschichte entschieden.“
  • „Als ich hier angefangen habe, hat mir [Name] als Erstes gezeigt, wo der gute Kaffee steht. Den Rest habe ich auch von ihr gelernt.“
  • „Heute verabschieden wir den Menschen, der in diesem Haus mehr Fragen beantwortet hat als jede Suchmaschine.“
  • „[Name] hat sich gewünscht, dass wir kein großes Aufheben machen. Wir haben uns bemüht. Es ist trotzdem ein bisschen groß geworden.“

Für den Schluss

  • „Wir wünschen dir für den Ruhestand genau das, was du uns all die Jahre geschenkt hast: Zeit, Geduld und gute Gesellschaft.“
  • „Bitte erhebt mit mir das Glas: auf [Name] und auf alles, was jetzt kommt.“
  • „Dein Platz bleibt nicht leer, aber er wird nie wieder so ordentlich sein. Danke für alles.“
  • „Komm uns besuchen. Aber bitte erst, wenn du die erste Reise hinter dir hast.“

Häufige Fehler

  • Den Lebenslauf vortragen. Jede Abteilung, jedes Jahr, jede Beförderung: Das ermüdet. Drei Sätze zur Laufbahn genügen.
  • Insider aus zwanzig Jahren. Wenn nur die alte Stammbelegschaft lacht, fühlen sich alle anderen ausgeschlossen. Erzählen Sie den Hintergrund mit oder wählen Sie eine andere Geschichte.
  • Altersscherze und Ruhestandsklischees. Golf, Gartenzwerg, Seniorenteller: Diese Witze kennt jeder. Erzählen Sie lieber, was Ihr Kollege wirklich vorhat.
  • Eine Namensliste vorlesen. Danken Sie Gruppen, nicht zwanzig Einzelnen. Sonst fehlt am Ende garantiert jemand.
  • Zu lang sprechen. In der Werkhalle wird nicht lange gestanden. Fünf Minuten sind die obere Grenze, vor allem, wenn nach Ihnen noch jemand spricht.

Tipps für den Vortrag

  • Klären Sie den Ablauf. Wer spricht zuerst, wann kommt das Geschenk, wann darf der Sekt geöffnet werden? Eine kurze Absprache mit der Vorgesetzten erspart peinliche Pausen.
  • Testen Sie den Raum. In einer Halle oder Kantine verschluckt der Lärm viel. Fragen Sie nach einem Mikrofon oder sprechen Sie lauter und langsamer als gewohnt.
  • Karteikarten statt Zettelstapel. Wenige Stichworte, große Schrift, der Schlusssatz ausgeschrieben.
  • Schauen Sie Ihren Kollegen an. Vor allem, wenn Sie sagen, was Sie von ihm gelernt haben. Die anderen hören trotzdem zu.
  • Lassen Sie Raum für seine Antwort. Kündigen Sie am Ende an, dass er das letzte Wort hat, falls er sprechen möchte.

Geht Ihr Kollege nicht in den Ruhestand, sondern wechselt zu einem anderen Arbeitgeber, hilft der Ratgeber zur Abschiedsrede für einen Kollegen. Ideen für Vorgesetzte und den eigenen Ausstand finden Sie auf der Seite Rede zum Ruhestand.

Häufige Fragen

Wie lang sollte eine Rede zum Ruhestand eines Kollegen sein?

Drei bis fünf Minuten, also etwa 400 bis 650 Wörter. Sprechen außer Ihnen noch die Vorgesetzte und der Betriebsrat, halten Sie sich an drei Minuten.

Wer spricht bei einer Verabschiedung in den Ruhestand?

Meist zuerst die oder der Vorgesetzte, danach ein langjähriger Kollege oder eine Kollegin, manchmal der Betriebsrat. Zum Schluss hat die Person, die in den Ruhestand geht, das letzte Wort, wenn sie möchte.

Darf die Rede humorvoll sein?

Ja, gern. Der Humor sollte aus dem Arbeitsalltag kommen, aus Eigenheiten, über die Ihr Kollege selbst lacht, und nicht aus Alter, Gesundheit oder alten Konflikten.

Was schreibe ich auf die Abschiedskarte?

Ein, zwei persönliche Sätze statt eines Spruchs: eine gemeinsame Erinnerung und ein konkreter Wunsch für den Ruhestand. Wer nicht weiß, was er schreiben soll, beginnt mit „Ich werde nie vergessen, wie du ...“.

Kann ich Fotos oder Folien einbauen?

Ja. Eine kleine Fotoshow mit Bildern aus den Jahren im Betrieb kommt oft gut an. Halten Sie sie kurz und lassen Sie die Bilder für sich sprechen, während Sie nur wenige Sätze dazu sagen.

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Die Beispielreden auf dieser Seite sind erfundene Beispiele und wurden mit KI-Unterstützung entworfen; Namen und Geschichten sind ausgedacht.