Abschiedsrede für einen Kollegen: Aufbau, Tipps und ein Beispiel

Aktualisiert am 9. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Eine Abschiedsrede für einen Kollegen, der das Unternehmen verlässt, dauert zwei bis vier Minuten, das sind etwa 250 bis 500 Wörter. Sagen Sie, was er im Team bewegt hat, erzählen Sie eine kurze Geschichte aus dem Arbeitsalltag, wünschen Sie ihm Erfolg für die neue Aufgabe und heben Sie das Glas. Kein Wort darüber, warum er geht, und kein Seitenhieb auf den neuen Arbeitgeber.

Ein Abschied ist kein Ruhestand

Wer in den Ruhestand geht, beendet ein Berufsleben. Wer zu einem anderen Unternehmen wechselt, nimmt sein Berufsleben mit. Das verändert den Ton: Die Rede blickt weniger auf Jahrzehnte zurück und mehr auf das, was der Kollege in seiner Zeit hier angestoßen hat. Sie darf leichter sein, kürzer und mit einem Augenzwinkern in Richtung Zukunft.

Gleichzeitig ist ein Abschied manchmal heikel. Vielleicht verlässt jemand das Team, weil er unzufrieden war, vielleicht ist die Chefin enttäuscht, vielleicht fragen sich die anderen, wer als Nächstes geht. Eine gute Abschiedsrede lässt all das draußen. Sie würdigt den Menschen, nicht die Umstände.

Im deutschsprachigen Raum lädt traditionell die Person, die geht, zum Ausstand ein: Kuchen im Büro, ein Frühstück, Getränke nach Feierabend. Die Abschiedsrede eines Kollegen oder der Teamleitung gehört genau dorthin, meist kurz nach der Begrüßung, bevor sich alle in kleine Gruppen verteilen.

Der Aufbau

1. Der Einstieg (etwa 20 Sekunden)

Ein Satz an alle, dann an den Kollegen. Sagen Sie, seit wann Sie zusammenarbeiten, und warum Sie heute sprechen.

2. Was er hier bewegt hat (etwa 45 Sekunden)

Zwei, drei konkrete Dinge: ein Projekt, eine Gewohnheit, die das Team übernommen hat, ein Problem, das er gelöst hat. Konkret heißt: Man kann es sehen oder nachzählen.

3. Eine Geschichte aus dem Alltag (etwa eine Minute)

Eine Szene, die zeigt, wie er arbeitet und wie er mit Menschen umgeht. Erzählen Sie sie so, dass auch die verstehen, die neu im Team sind oder aus einer anderen Abteilung kommen.

4. Was dem Team fehlen wird (etwa 30 Sekunden)

Ehrlich und warm, ohne Drama. „Montags wird es stiller“ sagt mehr als „Wir sind untröstlich“.

5. Gute Wünsche und das Glas (etwa 20 Sekunden)

Wünschen Sie ihm Erfolg und Freude für die neue Aufgabe, laden Sie ihn ein, in Kontakt zu bleiben, und bitten Sie alle, das Glas zu erheben.

Der richtige Ton, wenn jemand geht

  • Bleiben Sie neutral bei den Gründen. Ob der Kollege wegen eines besseren Angebots, eines Umzugs oder aus Frust geht: In der Rede spielt das keine Rolle.
  • Keine Witze über Verrat. Sätze wie „Du lässt uns hängen“ oder Sticheleien über die Konkurrenz klingen auch als Scherz nach Vorwurf.
  • Achten Sie auf Vertraulichkeit. Nennen Sie den neuen Arbeitgeber nur, wenn der Kollege selbst offen darüber spricht.
  • Denken Sie an die, die zuschauen. Sind Kolleginnen per Video zugeschaltet, sprechen Sie zwischendurch auch in die Kamera und erklären Insider kurz.
  • Lassen Sie das Team gut dastehen. Eine Abschiedsrede, die klingt, als würde jetzt alles zusammenbrechen, verunsichert die, die bleiben.

Halten Sie die Rede als Führungskraft, danken Sie zusätzlich im Namen des Unternehmens und sagen Sie, dass die Tür offen bleibt. Dafür können Sie die Abschiedsrede als Vorgesetzte oder Vorgesetzter beginnen.

Beispiel-Abschiedsrede für einen Kollegen (erfundenes Beispiel)

Die folgende Rede ist ein erfundenes Beispiel: Namen, Firma und Geschichten sind ausgedacht. Eine Kollegin verabschiedet einen Kollegen aus dem Kundenservice, der nach sechs Jahren zu einem anderen Unternehmen wechselt, etwa drei Minuten lang.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Deniz.

Ich bin Katrin, und ich sitze seit sechs Jahren schräg gegenüber von Deniz. Ich weiß also, wie er tippt, wenn ein Kunde unfreundlich ist. Sehr laut. Und ich weiß, wie er tippt, wenn er die Antwort gefunden hat. Sehr schnell.

Als Deniz zu uns kam, hatte der Kundenservice von Weidner Versand ein Postfach, eine Liste mit Standardantworten und einen Ruf, über den wir hier lieber nicht sprechen. Deniz hat die Standardantworten nicht abgeschafft. Er hat sie umgeschrieben, eine nach der anderen, bis sie klangen wie ein Mensch, der zuhört. Und er hat einen Ordner angelegt. Er heißt „Gute Antworten“, und darin sammelt er die Mails von Kundinnen und Kunden, die sich bei uns bedankt haben. Jeden Montag im Teammeeting hat er eine davon vorgelesen.

Die bekannteste Mail im Ordner stammt aus dem Herbst 2022. Damals ist ein Newsletter mit einem falschen Rabattcode an achtzigtausend Leute gegangen, durch einen Fehler im System, für den hier niemand etwas konnte. Um halb neun brach das Postfach zusammen. Um zehn vor neun hatte Deniz eine Entschuldigung geschrieben, die so ehrlich und so freundlich war, dass sie mehr Antworten bekam als jede Werbeaktion in diesem Jahr. Eine Kundin aus Bamberg schrieb zurück: „Das war die netteste Entschuldigung, die ich je bekommen habe. Ich bestelle jetzt aus Prinzip.“ Sie ist im Ordner. Und sie bestellt bis heute.

Was du uns hinterlässt, Deniz, ist mehr als ein Ordner. Du hast uns gezeigt, dass man auch der zwanzigsten verärgerten Mail am Tag mit Geduld begegnen kann, und dass hinter jeder Beschwerde ein Mensch sitzt, der eigentlich nur eine Antwort will. Montags wird es ab jetzt stiller sein.

Ab nächstem Monat bist du in Hamburg, und wir wissen, dass dein neues Team großes Glück hat. Wir wünschen dir dort einen Schreibtisch am Fenster, Kunden mit Geduld und Kolleginnen, die dich genauso vermissen werden, wenn du irgendwann weiterziehst.

Den Ordner hast du mir gestern übergeben. Ich verspreche dir, dass wir ihn weiterführen, und dass wir dir die beste Mail des Jahres schicken.

Bitte erhebt mit mir die Gläser. Auf Deniz, auf sechs Jahre gute Antworten, und auf alles, was jetzt kommt.

Warum diese Rede funktioniert: Sie verliert kein Wort über die Gründe für den Wechsel und keines über den neuen Arbeitgeber. Der Ordner zeigt, was Deniz im Team verändert hat, die Panne mit dem Newsletter zeigt, wie er arbeitet, ohne jemanden bloßzustellen, und die Übergabe macht den Abschied leicht. Wenn Sie eine solche Rede aus den Geschichten Ihres Teams formen möchten, können Sie Ihre Abschiedsrede mit einer kostenlosen Vorschau beginnen.

Sätze für den Anfang und den Schluss

Für den Anfang

  • „[Name] hat sich einen Abschied ohne große Worte gewünscht. Ich habe mich deshalb auf kleine beschränkt.“
  • „Wir sind heute hier, weil [Name] uns verlässt. Und weil es Kuchen gibt. Aber vor allem wegen [Name].“
  • „Als [Name] vor [Anzahl] Jahren angefangen hat, war ich die, die ihr den Weg zur Kaffeemaschine gezeigt hat. Heute zeigt sie mir, wie man geht, wenn es am schönsten ist.“
  • „Ich habe in meinem Kalender nachgeschaut: [Anzahl] Jahre, [Anzahl] Projekte und ungefähr tausend Tassen Kaffee mit [Name]. Ich fange mit dem Kaffee an.“

Für den Schluss

  • „Wir lassen dich ungern gehen, aber wir freuen uns, dass du gehst, um etwas Neues zu beginnen. Viel Erfolg.“
  • „Die Tür hier bleibt offen. Und dein Platz am Fenster, bis die Nächste ihn entdeckt.“
  • „Bitte erhebt mit mir das Glas: auf [Name] und auf alles, was du dort draußen noch bewegst.“
  • „Bleib so, wie du bist. Dein neues Team weiß noch gar nicht, wie gut es das trifft.“

Häufige Fehler

  • Gründe für den Wechsel ansprechen. Auch Andeutungen wie „Wir wissen ja alle, warum“ beschädigen die Stimmung und den Ruf der Person.
  • Zu lang werden. Ein Ausstand ist kein Festakt. Mehr als vier Minuten sind zu viel, vor allem, wenn danach noch jemand spricht.
  • Nur Projekte aufzählen. Wer was wann geliefert hat, steht im Arbeitszeugnis. In die Rede gehört der Mensch.
  • Insider ohne Erklärung. Wenn nur zwei Personen lachen, fühlen sich alle anderen ausgeschlossen.
  • Den Abschied zur Tragödie machen. Das Team arbeitet morgen weiter. Ein Satz Wehmut genügt, dann wieder Zuversicht.

Tipps für den Vortrag

  • Fragen Sie nach dem Zeitpunkt. Sprechen Sie mit der Person, die geht, und mit der Teamleitung ab, wann die Rede passt.
  • Halten Sie das Geschenk bereit. Wenn das Team zusammengelegt hat, überreichen Sie das Geschenk direkt nach der Rede, nicht mittendrin.
  • Sprechen Sie frei mit Stichworten. Ein kleiner Zettel mit drei Stichworten wirkt im Büro natürlicher als ein ausgedrucktes Manuskript.
  • Sprechen Sie langsamer als sonst. Im Büro gibt es Nebengeräusche, und Lacher brauchen Zeit.
  • Lassen Sie der Person das letzte Wort. Kündigen Sie an, dass sie noch etwas sagen kann, wenn sie möchte.

Geht Ihr Kollege nach vielen Jahren in den Ruhestand, finden Sie im Ratgeber zur Rede zum Ruhestand eines Kollegen einen ausführlicheren Aufbau. Für Reden im Beruf, von der Begrüßung neuer Mitarbeitender bis zum Firmenjubiläum, gibt es die Seite Reden für Firmen.

Häufige Fragen

Wie lang sollte eine Abschiedsrede für einen Kollegen sein?

Zwei bis vier Minuten, also etwa 250 bis 500 Wörter. Ein Ausstand im Büro verträgt eher die kürzere Fassung, ein Abschiedsessen am Abend die längere.

Wer hält die Abschiedsrede?

Meist die direkte Führungskraft oder ein Kollege, der eng mit der Person zusammengearbeitet hat. Oft sprechen beide kurz. Die Person, die geht, sagt zum Schluss selbst ein paar Worte, wenn sie möchte.

Was sage ich, wenn ich den Kollegen kaum kenne?

Fragen Sie zwei, drei Kollegen, die eng mit ihm gearbeitet haben, nach einer Geschichte und nennen Sie sie in der Rede beim Namen: „Sven hat mir erzählt ...“ So wird die Rede persönlich, auch wenn Sie selbst wenig erlebt haben.

Darf ich sagen, wohin der Kollege wechselt?

Nur, wenn er selbst offen darüber spricht. Im Zweifel genügt „zu einer neuen Aufgabe“ oder „nach Hamburg“. Fragen Sie ihn vorher kurz.

Was schreibe ich auf die Abschiedskarte?

Einen persönlichen Satz statt eines Spruchs: eine gemeinsame Erinnerung und einen Wunsch. Zum Beispiel: „Danke für jede Mittagspause mit dir. Viel Erfolg in Hamburg, und meld dich, wenn du wieder in der Gegend bist.“

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Die Beispielreden auf dieser Seite sind erfundene Beispiele und wurden mit KI-Unterstützung entworfen; Namen und Geschichten sind ausgedacht.