Lebenslauf für die Abdankung: Aufbau und Beispiel

Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Der Lebenslauf für eine Abdankung ist eine kurze Lebensgeschichte, die meist vier bis sechs Minuten dauert, etwa 500 bis 800 Wörter. Er folgt dem Leben der verstorbenen Person in der Zeit: Herkunft und Kindheit, Ausbildung und Beruf, Partnerschaft und Familie, die Jahre im Alter und der Abschied. Was ihn lebendig macht, sind wenige persönliche Einzelheiten in jedem Abschnitt. Oft schreibt ihn die Familie, und die Pfarrerin, der Pfarrer oder ein Angehöriger liest ihn vor.

Was der Lebenslauf an der Abdankung ist

In vielen Schweizer Gemeinden gehört der Lebenslauf fest zur Abdankung, ob in der Kirche, in der Abdankungshalle oder im kleinen Kreis am Grab. Er steht meist nach dem Eingangswort und vor der Predigt oder der Ansprache. Anders als eine Trauerrede, die frei um ein Bild oder eine Geschichte kreisen darf, erzählt der Lebenslauf das Leben der Reihe nach. Er ist ruhiger, sachlicher, und gerade deshalb oft sehr berührend.

Üblich ist die dritte Person: „Hanna wurde am 3. März 1938 in Langnau geboren.“ Manche Familien schreiben ihn in der Wir-Form, besonders wenn ein Kind ihn selbst vorliest: „Unsere Mutter wurde ...“ Beides ist richtig. Halten Sie die einmal gewählte Form durch.

Fragen Sie die Pfarrerin oder den Pfarrer früh, wie es in Ihrer Gemeinde üblich ist. Viele bitten die Familie um einen Entwurf und lesen ihn dann selbst vor, manche besprechen ihn im Trauergespräch und schreiben ihn aus Ihren Erzählungen. Bei einer Abdankung ohne Pfarrperson übernimmt oft eine freie Rednerin oder ein Familienmitglied das Lesen. Wie eine persönliche Trauerrede daneben ihren Platz findet, lesen Sie auf der Seite Trauerrede.

Den Lebenslauf mit der Familie zusammentragen

Ein Lebenslauf ist selten das Werk einer einzigen Person. Setzen Sie sich, wenn es geht, mit Geschwistern, dem Partner oder der Partnerin und vielleicht einer Freundin der verstorbenen Person zusammen. Legen Sie Fotoalben, das Familienbüchlein, alte Zeugnisse und Briefe auf den Tisch.

Fragen, die beim Erinnern helfen:

  • Wo und in welcher Familie ist sie aufgewachsen, mit wie vielen Geschwistern?
  • Welche Schule, welche Lehre, welche erste Stelle?
  • Wie hat sie ihren Mann oder ihre Frau kennengelernt, und wann haben sie geheiratet?
  • Wo hat die Familie gewohnt, und welche Umzüge gab es?
  • Was hat sie in ihrer freien Zeit getan: Chor, Garten, Turnverein, Jassrunde, Bergwandern?
  • Welche schweren Zeiten hat sie erlebt, und wie ist sie durch sie gegangen?
  • Wie waren die letzten Jahre, und wie war der Abschied?

Prüfen Sie Daten, Orte und Namen besonders sorgfältig. Ein falsches Geburtsjahr oder ein vergessenes Enkelkind fällt an der Abdankung allen auf, und in der Trauer verrutschen auch einfache Dinge.

Ein ruhiger Aufbau

1. Herkunft und Kindheit (etwa 45 Sekunden)

Geburtsdatum und Ort, die Eltern, die Geschwister, das Elternhaus. Ein Bild aus der Kindheit, etwa der Schulweg über den Hügel oder die Arbeit auf dem Hof, öffnet den Lebenslauf.

2. Ausbildung und Beruf (etwa eine Minute)

Schule, Lehre oder Studium, die wichtigsten Stellen. Nennen Sie nicht jede Station, sondern die, die ihr wichtig waren, und einen Satz dazu, wie sie gearbeitet hat.

3. Partnerschaft und Familie (etwa eine Minute)

Wie sich das Paar kennengelernt hat, die Hochzeit, die Kinder, die Enkel. Hier hat ein persönliches Detail viel Platz: der Sonntagszopf, die Ferien jedes Jahr im selben Tal, der Garten hinter dem Haus.

4. Freizeit, Freundschaften, Engagement (etwa 45 Sekunden)

Vereine, Kirchgemeinde, Hobbys, Freundschaften. Was hat sie gern getan, wo hat sie mitgeholfen?

5. Die späten Jahre und der Abschied (etwa 45 Sekunden)

Das Alter, vielleicht der Umzug ins Altersheim, Krankheit, die letzten Wochen. Ein, zwei behutsame Sätze genügen. Der Lebenslauf endet meist mit dem Todestag und einem kurzen Satz der Familie.

Behutsam formulieren

Ein Lebenslauf muss nicht alles erzählen, und er muss nichts beschönigen. Für schwierige Stellen helfen ruhige, ehrliche Sätze:

  • Für eine Trennung: „Die Ehe wurde 1979 geschieden. Die beiden Kinder blieben bei ihr.“
  • Für einen frühen Verlust: „1971 starb ihr Sohn Peter mit vier Jahren. Über diesen Verlust hat sie selten gesprochen, aber sie hat ihn nie vergessen.“
  • Für eine lange Krankheit: „In den letzten zwei Jahren wurden ihre Kräfte weniger. Sie hat es mit Geduld getragen.“
  • Für eine schwierige Persönlichkeit: „Sie konnte streng sein, mit sich und mit anderen.“ Ein solcher Satz genügt, wenn die Trauergemeinde es ohnehin weiss.

Lassen Sie Erbfragen, alte Konflikte und medizinische Einzelheiten weg. Und zeigen Sie den Entwurf allen nahen Angehörigen, bevor er vorgelesen wird.

Beispiel für einen Lebenslauf (erfundenes Beispiel)

Der folgende Lebenslauf ist ein erfundenes Beispiel: Namen, Orte und Daten sind ausgedacht. Die Familie hat ihn für die Abdankung ihrer Mutter geschrieben, und die Pfarrerin liest ihn vor, etwa fünf Minuten lang.

Hanna Gerber-Zaugg wurde am 3. März 1938 in Langnau im Emmental geboren, als zweites von fünf Kindern von Ernst und Rosa Zaugg. Sie wuchs auf dem kleinen Hof der Eltern auf. Von Kind an half sie im Stall und auf dem Feld, und den Schulweg, eine halbe Stunde über den Hügel, ging sie bei jedem Wetter zu Fuss. Noch mit achtzig konnte sie jede Kurve dieses Weges beschreiben.

Nach der Schule machte Hanna eine Lehre als Verkäuferin in der Bäckerei Hofer in Langnau. Sie blieb dort neun Jahre. Viele im Dorf kannten sie als die junge Frau, die jedem Kind ein Stück Zopf über die Theke reichte, wenn die Mutter nicht hinschaute.

An einem Tanzabend des Jodlerklubs lernte sie 1960 Fritz Gerber kennen, einen jungen Schreiner aus Burgdorf. Zwei Jahre später heirateten die beiden in der Kirche Langnau und zogen nach Burgdorf, in die Wohnung über der Werkstatt. Dort kamen ihre Kinder zur Welt: Thomas 1963, Ursula 1965 und Daniel 1969. Hanna führte den Haushalt, kümmerte sich um die Buchhaltung der Schreinerei und hatte trotzdem jeden Samstag den Zopf im Ofen. Die Sommerferien verbrachte die Familie jedes Jahr im selben Chalet im Diemtigtal, siebenundzwanzig Jahre lang.

Hanna sang über vierzig Jahre im Kirchenchor Burgdorf und half bei jedem Basar der Kirchgemeinde. Wer bei ihr zu Besuch war, ging nie ohne einen Sack Äpfel aus dem Garten nach Hause. Ihr Mann Fritz sagte gern, die Hälfte von Burgdorf habe schon einmal einen Apfel von Hanna gegessen.

1998 starb Fritz nach kurzer Krankheit. Es war für Hanna eine schwere Zeit. Getragen haben sie ihre Kinder, der Chor und ihre sieben Enkelkinder, denen sie bis zuletzt Socken strickte, in jeder gewünschten Farbe.

2019 zog Hanna in das Alterszentrum am Schlossberg. Auch dort fand sie schnell eine Jassrunde, die sie am Dienstagnachmittag nicht verpasste. In den letzten Monaten wurden ihre Kräfte weniger. Sie war oft müde, aber sie freute sich über jeden Besuch und fragte jedes Mal, ob man genug gegessen habe.

Am 28. September 2026 ist Hanna Gerber-Zaugg im Alter von achtundachtzig Jahren friedlich eingeschlafen, im Beisein ihrer Tochter Ursula.

Wir sind dankbar für ihr langes Leben, für ihre Wärme und für jeden Samstagszopf. Sie fehlt uns.

Warum dieses Beispiel trägt: Es folgt dem Leben in der Zeit, ohne eine Aufzählung zu werden. In jedem Abschnitt steht ein kleines, wahres Bild, der Schulweg, der Zopf, die Äpfel, die Socken, und der Zopf kehrt im letzten Satz zurück. Der Tod des Mannes und die letzten Monate kommen in ruhigen, kurzen Sätzen vor. Wenn Ihnen die Erinnerungen fehlen, um sie zu ordnen, können Sie mit Ihren Stichworten beginnen und zuerst den Anfang lesen, bevor Sie sich entscheiden. Möchte ein Kind zusätzlich persönliche Worte sprechen, hilft der Ratgeber zur Trauerrede für die Mutter.

Formulierungen für den Anfang und den Schluss

Für den Anfang

  • „[Name] wurde am [Datum] in [Ort] geboren, als [ältestes, jüngstes, zweites] Kind von [Namen der Eltern].“
  • „Unsere Mutter kam am [Datum] in [Ort] zur Welt. Sie wuchs mit [Anzahl] Geschwistern auf [dem Hof, in der Stadt] auf.“
  • „Das Leben von [Name] begann in [Ort], in einer Zeit, in der [ein Bild der Zeit].“

Für den Schluss

  • „Am [Datum] ist [Name] im Alter von [Jahren] Jahren friedlich eingeschlafen.“
  • „Wir sind dankbar für alles, was sie uns geschenkt hat. Sie fehlt uns.“
  • „Wir behalten [Name] in Erinnerung als [ein Bild, eine Gewohnheit].“
  • „Ruhe in Frieden.“

Häufige Fehler

  • Nur Daten aneinanderreihen. Ein Lebenslauf ist kein Personalblatt. Ein persönliches Detail pro Abschnitt macht ihn lebendig.
  • Zu lang werden. Mehr als sechs Minuten sind für die Trauergemeinde schwer. Kürzen Sie eher bei den Berufsstationen als bei der Familie.
  • Falsche Daten oder vergessene Namen. Lassen Sie den Entwurf von mindestens zwei Angehörigen prüfen.
  • Die Form wechseln. Bleiben Sie bei der dritten Person oder bei der Wir-Form, nicht abwechselnd.
  • Krankheit und Konflikte ausbreiten. Ein behutsamer Satz genügt. Der Lebenslauf erzählt vom ganzen Leben.

Wenn Sie selbst vorlesen

  • Drucken Sie den Text gross aus. Mindestens 16 Punkt, viel Zeilenabstand, Seitenzahlen. In Kirchen ist das Licht oft schwach.
  • Geben Sie der Pfarrerin eine Kopie. Wenn Sie nicht weiterkönnen, liest sie für Sie zu Ende.
  • Markieren Sie Pausen. Ein Schrägstrich zwischen den Abschnitten erinnert Sie daran, durchzuatmen und aufzuschauen.
  • Lesen Sie langsam. Der Lebenslauf ist dicht. Die Zuhörenden brauchen Zeit, um jedes Jahrzehnt vor sich zu sehen.
  • Lesen Sie den Text vorher laut. Zwei Mal genügt. Die Stellen, an denen Ihre Stimme wackelt, kennen Sie dann schon.

Häufige Fragen

Wie lang ist ein Lebenslauf für die Abdankung?

Meist vier bis sechs Minuten, also etwa 500 bis 800 Wörter. Das reicht, um das ganze Leben der Reihe nach zu erzählen, mit einem persönlichen Detail in jedem Abschnitt. Fragen Sie die Pfarrerin oder den Pfarrer, wie viel Zeit in Ihrer Abdankung vorgesehen ist, besonders wenn auch Angehörige sprechen.

Wer liest den Lebenslauf an der Abdankung vor?

Oft die Pfarrerin oder der Pfarrer, nachdem die Familie den Text geschrieben oder im Trauergespräch erzählt hat. Manche Familien lassen ihn von einem Kind, einem Enkel oder einer Freundin vorlesen. Bei einer Abdankung ohne Pfarrperson übernimmt meist eine freie Rednerin oder ein Angehöriger diese Aufgabe.

Schreibt man den Lebenslauf in der Ich-, Wir- oder dritten Person?

Üblich ist die dritte Person, etwa „Hanna wurde 1938 in Langnau geboren.“ Liest ein Kind den Text selbst vor, passt auch die Wir-Form: „Unsere Mutter wurde ...“ Die Ich-Form ist selten. Wichtig ist, dass Sie die gewählte Form durch den ganzen Lebenslauf beibehalten.

Was gehört in einen Lebenslauf für die Abdankung?

Herkunft und Kindheit, Ausbildung und Beruf, Partnerschaft und Familie, Freizeit und Engagement, die späten Jahre und der Abschied. Dazu in jedem Abschnitt ein kleines, persönliches Detail, das die Menschen wiedererkennen. Daten, Orte und Namen sollten stimmen, deshalb prüfen am besten zwei Angehörige den Entwurf.

Wie erwähne ich schwierige Zeiten im Lebenslauf?

Mit einem ruhigen, ehrlichen Satz, ohne Einzelheiten, etwa „Die Ehe wurde 1979 geschieden“ oder „In den letzten Jahren wurden ihre Kräfte weniger.“ Mehr braucht es nicht. Erbfragen, alte Konflikte und medizinische Einzelheiten lassen Sie weg. Zeigen Sie solche Stellen vorher allen nahen Angehörigen.

Was ist der Unterschied zwischen Lebenslauf und Trauerrede?

Der Lebenslauf erzählt das Leben der Reihe nach, ruhig und meist in der dritten Person. Eine Trauerrede darf freier sein, kreist oft um ein Bild oder eine Geschichte und spricht die verstorbene Person am Ende manchmal direkt an. An vielen Abdankungen gibt es beides, den Lebenslauf und persönliche Worte.

Wie beende ich den Lebenslauf?

Meist mit dem Todestag, dem Alter und einem kurzen Satz, etwa „Am 28. September ist sie im Alter von achtundachtzig Jahren friedlich eingeschlafen.“ Danach kann ein Satz der Familie folgen, zum Beispiel „Wir sind dankbar für ihr langes Leben. Sie fehlt uns.“ Mehr braucht der Schluss nicht.

Fällt es Ihnen schwer, die Worte zu finden?

Teilen Sie Ihre Erinnerungen, und wir helfen Ihnen, daraus eine Trauerrede in Ihren eigenen Worten zu formen. Den Anfang lesen Sie, bevor Sie sich entscheiden.

Mit Ihren Erinnerungen beginnen

Die Beispielreden auf dieser Seite sind erfundene Beispiele und wurden mit KI-Unterstützung entworfen; Namen und Geschichten sind ausgedacht.