Beispielreden

So liest sich eine Rede von uns.

Sieben vollständige Reden, von der Rede des Trauzeugen bis zu ein paar Worten an das Team, dazu eine Trauerrede für eine Großmutter. Jede zeigt, worauf es uns ankommt: eine Geschichte, gut erzählt, der Moment, in dem es herzlich wird, und ein Schluss, bei dem alle das Glas heben.

Alle Reden auf dieser Seite sind erfundene Beispiele, geschrieben, um den Stil zu zeigen. Personen, Orte und Geschichten sind ausgedacht. Ihre Rede schreiben wir nur aus den Geschichten, die Sie uns erzählen.

Rede des Trauzeugen

Anlass
Hochzeitsfeier
Wer spricht
Der beste Freund des Bräutigams
Länge
Etwa 5 Minuten (555 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Liebe Marie, lieber Jonas, liebe Familien, liebe Gäste,

für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin Felix, und ich kenne Jonas seit der ersten Klasse. Das sind sechsundzwanzig Jahre, und ich habe in dieser Zeit sehr viel mit ihm erlebt. Keine Sorge, ich erzähle heute nur einen kleinen Teil davon. Die Großeltern sitzen in der ersten Reihe.

Zuerst ein Dankeschön: an Maries Eltern, Petra und Klaus, und an Jonas’ Eltern, Ute und Bernd, für dieses wunderbare Fest. Und an euch beide, dass ich heute hier stehen darf. Jonas hat mich vor einem Jahr gefragt, ob ich sein Trauzeuge werde. Er hatte die Frage vorher aufgeschrieben. Das wird gleich noch wichtig.

Jonas und ich haben in diesen sechsundzwanzig Jahren fast alles zusammen gemacht: die erste Klassenfahrt, den ersten Ferienjob im Freibad, die erste Wohnung, in der der Kühlschrank nur lief, wenn man ihn freundlich ansprach. Und bei allem, wirklich bei allem, hatte Jonas einen Plan. Ich erzähle euch von dem besten.

Im Sommer 2016 sind Jonas und ich mit einem geliehenen VW-Bus an die Ostsee gefahren. Jonas hatte eine Mappe dabei. Keine Liste, eine Mappe, mit Registern. Eines hieß „Proviant (genehmigt)“. Ganz hinten gab es ein Register mit der Aufschrift „Notfälle“. Wir haben drei Bundesländer lang über diese Mappe gelacht.

Kurz hinter Lübeck, kurz vor Mitternacht, platzte uns ein Reifen. Kein Netz, kein Ersatzrad. Jonas sagte kein Wort, schlug das Register „Notfälle“ auf, Seite drei, und da stand sie: die Nummer einer Werkstatt mit Nachtdienst. Seitdem hat niemand mehr über die Mappe gelacht.

So ist Jonas. Er denkt an Dinge, an die sonst keiner denkt. Er hat jede Umzugskiste seines Lebens beschriftet. Er hat zu meinem dreißigsten Geburtstag den Aufsatz wiedergefunden, den ich in der vierten Klasse über ihn geschrieben hatte, und ihn vorgelesen. Als ich mir letztes Jahr den Arm gebrochen habe, stand er am selben Abend mit einer Tasche voller Fertiggerichte vor der Tür, alle schon geöffnet. Er weiß bei jedem von uns, wo der Ersatzschlüssel liegt. Das ist manchmal anstrengend. Meistens ist es ein Geschenk.

Und dann kam Marie. Kennengelernt haben sich die beiden im Chor. Jonas kann nicht singen, das muss man an dieser Stelle einfach so sagen. Er ist trotzdem zwei Jahre lang jeden Donnerstag hingegangen, hat ganz hinten im Bass gestanden und die Lippen bewegt. Ich glaube, die Chorleiterin wusste genau, warum.

Was ich seitdem beobachte: Mit Marie plant Jonas weniger. Er hat einmal ein ganzes Wochenende in Hamburg verbracht, ohne vorher ein einziges Restaurant zu reservieren. Für Jonas ist das ungefähr so, als würde ein anderer Mensch ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springen. Marie, du bringst ihn dazu, Dinge einfach passieren zu lassen. Und du lachst über seine Mappen, aber auf eine Art, die ihn stolz macht.

Ihr zwei seid das, was man ein gutes Team nennt. Marie hat den Mut, Jonas hat den Plan B. Und wenn auf eurem gemeinsamen Weg einmal ein Reifen platzt, und das wird passieren, dann weiß ich, dass ihr beide wisst, was zu tun ist.

Und Marie, ich verrate dir etwas: Für dich hat er auch eine angelegt. Ich habe sie gesehen. Das Register ganz hinten heißt nicht mehr „Notfälle“. Es heißt „Für immer“.

Liebe Gäste, bitte erhebt euch und nehmt eure Gläser. Auf Marie und Jonas, auf den Plan B und auf alles, was in keiner Mappe steht. Auf das Brautpaar!

Warum sie funktioniert

  • Eine Geschichte trägt die ganze Rede: Die Mappe ist erst eine Pointe, am Ende ein Versprechen.
  • Der Junggesellenabschied kommt nicht vor, die Großeltern in der ersten Reihe schon.
  • Die Wendung kommt mit Marie: vom Necken des Freundes zu dem, was sie in ihm verändert hat.

Rede der Trauzeugin

Anlass
Hochzeitsfeier
Wer spricht
Die beste Freundin der Braut
Länge
Etwa 3 Minuten (335 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Liebe Lena, lieber Ben, liebe Familien, liebe Freundinnen und Freunde,

ich bin Anna, Lenas Trauzeugin, und ich habe mir für heute zwei Regeln gesetzt: drei Minuten, und keine Fotos aus der Oberstufe. Lena, du kannst dich entspannen. Zumindest bei den Fotos. Bei den Geschichten sehen wir weiter.

Lena und ich haben uns in der fünften Klasse kennengelernt, weil wir beide beim Völkerball als Letzte gewählt wurden. Wir haben beschlossen, dass das an den anderen lag. Seitdem treffen wir die meisten Entscheidungen auf diese Weise.

Wir haben zusammen Abitur gemacht, zusammen die erste WG in Freiburg bezogen und zusammen festgestellt, dass man eine Waschmaschine nicht mit Spülmittel betreibt. Lena war in all diesen Jahren die, die nachts um zwei noch ans Telefon geht. Die, die vor jeder Prüfung eine Nachricht schickt, genau fünf Minuten vorher, weil sie sich gemerkt hat, wann sie anfängt.

Und Lena ist die Einzige, die mir ehrlich sagt, wenn ein Kleid nicht passt, ein Freund mir nicht guttut oder eine Idee keine gute ist. Ich habe sie dafür oft verflucht. Sie hatte fast immer recht.

Als Lena mir vor drei Jahren von Ben erzählt hat, hat sie zwei Sätze gesagt. Erstens: „Er hat mir beim Umzug geholfen, obwohl wir uns erst zweimal gesehen hatten.“ Zweitens: „Er hat die Kisten beschriftet.“ Ich wusste in diesem Moment, dass ich heute hier stehen würde. Noch am selben Abend habe ich angefangen, diese Rede zu schreiben.

Ben, inzwischen weiß ich, dass die Kisten nur der Anfang waren. Du hast Lenas Fahrrad repariert, das seit Jahren im Keller stand. Du hast ihre Oma beim ersten Treffen beim Rommé gewinnen lassen, so geschickt, dass es außer mir niemand gemerkt hat. Und du schaust Lena an, wenn sie erzählt, als wäre es das Spannendste, was du je gehört hast. Auch beim dritten Mal.

Lena, du hast mich vor einundzwanzig Jahren beim Völkerball gerettet. Heute bin ich einfach nur froh, dass du jemanden gefunden hast, der dich immer als Erste wählen würde.

Bitte hebt eure Gläser: Auf Lena und Ben!

Warum sie funktioniert

  • Die Freundschaft wird in einer Szene erzählt, nicht in einer Aufzählung von Jahren.
  • Ben bekommt kleine, wahre Beispiele statt großer Worte.
  • Der Schluss greift den Anfang auf: Wer als Letzte gewählt wurde, wird jetzt als Erste gewählt.

Rede des Brautvaters

Anlass
Hochzeitsfeier
Wer spricht
Der Vater der Braut
Länge
Etwa 5 Minuten (554 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Liebe Sophie, lieber Paul, liebe Familien, liebe Gäste,

im Namen meiner Frau Monika und in meinem eigenen: herzlich willkommen. Wir freuen uns sehr, dass ihr alle gekommen seid, manche von euch von weit her. Ein besonderer Gruß geht an Pauls Eltern, Sabine und Thomas, mit denen wir heute zu einer Familie werden, und an Tante Hilde, die mit ihren dreiundneunzig Jahren als Erste auf der Tanzfläche stehen wird. Das hat sie mir vorhin angekündigt.

Ich habe lange überlegt, was ich heute sagen soll. Monika meinte, ich soll mich kurz fassen. Sophie meinte, ich soll bitte nicht weinen. Ich habe drei Fassungen geschrieben, und Monika hat jede einzelne um die Hälfte gekürzt. Ich verspreche euch: Eins von beidem schaffe ich.

Als Sophie sieben war, hat sie beschlossen, Tierärztin zu werden. Am nächsten Morgen stand ein Schuhkarton auf unserem Küchentisch, darin ein Igel, der, wie sich herausstellte, kerngesund war und einfach nur schlafen wollte. Sophie hat ihn trotzdem drei Tage lang gepflegt.

Danach kamen eine Amsel mit verletztem Flügel, zwei Meerschweinchen aus der Nachbarschaft, deren Familie in den Urlaub fuhr, und ein Kater namens Herr Schmidt, der eigentlich niemandem gehörte und dann sehr schnell uns. Tierärztin ist Sophie nicht geworden. Sie ist Kinderkrankenschwester geworden, und wer sie einmal auf ihrer Station erlebt hat, weiß, dass das kein Zufall war. Die Kinder dort nennen sie übrigens Schwester Igel.

Sophie, du warst schon als Kind so. Wenn jemand traurig war, warst du als Erste da. Als deine Oma ins Heim gezogen ist, hast du sie drei Jahre lang jeden Mittwoch besucht, auch in der Prüfungszeit. Und als ich nach meiner Knieoperation schlecht gelaunt auf dem Sofa saß, hast du einen Übungsplan an den Kühlschrank gehängt und jeden Abend kontrolliert, ob ich ihn einhalte. Ich habe ihn eingehalten. Man widerspricht dir nicht, wenn du dich um jemanden kümmerst.

Und dann kam Paul. Zum ersten Mal habe ich ihn an einem Sonntag im Garten erlebt, als er mit mir den Rasenmäher auseinandergenommen hat, obwohl ihn niemand darum gebeten hatte. Wieder zusammenbekommen haben wir ihn nicht. Aber wir haben uns drei Stunden lang sehr gut unterhalten, und am Abend hat Monika zu mir gesagt: „Den behalten wir.“

Seitdem habe ich Paul oft erlebt. Beim Umzug in eure erste Wohnung, als er die Waschmaschine allein in den vierten Stock getragen hat, weil er niemanden stören wollte. An Heiligabend, als er Monikas Mutter zum fünften Mal geduldig ihr neues Handy erklärt hat. Und an einem Morgen um sechs Uhr vor dem Krankenhaus, weil Sophie nach einer langen Nachtschicht den letzten Bus verpasst hatte.

Lieber Paul, ich erzähle das nicht, um meine Tochter in Verlegenheit zu bringen. Ich erzähle es, damit du weißt, was du bekommst: einen Menschen, der sich um alles kümmert, was ihm anvertraut wird. Pass gut auf sie auf, auch wenn sie das meistens lieber selbst übernimmt. Und lass dich ab und zu von ihr umsorgen. Es lohnt sich, das kann ich dir versprechen. Herzlich willkommen in unserer Familie.

Sophie, für deine Mutter und mich warst du immer der schönste Grund, nach Hause zu kommen. Heute gründest du dein eigenes Zuhause. Wir sind sehr, sehr stolz auf dich, mein Schatz, und wir freuen uns auf alles, was kommt.

Liebe Gäste, ich bitte euch, die Gläser zu erheben. Auf Sophie und Paul, auf ihre Ehe und auf viele gute Jahre. Zum Wohl!

Warum sie funktioniert

  • Die Begrüßung gehört dem Gastgeber und bleibt kurz: beide Familien, ein besonderer Gast.
  • Kleine Geschichten aus der Kindheit ergeben zusammen ein Bild der Braut, statt eines Lebenslaufs.
  • Paul wird mit etwas begrüßt, das er wirklich getan hat, nicht mit einer Warnung.

Rede zum 60. Geburtstag des Vaters

Anlass
Geburtstagsfeier
Wer spricht
Seine älteste Tochter
Länge
Etwa 3 Minuten (335 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Lieber Papa, liebe Familie, liebe Freunde,

schön, dass ihr alle da seid. Ich bin Julia, die Älteste, und ich soll heute ein paar Worte sagen. Keine Sorge, Papa, es werden wirklich nur ein paar.

Papa ist diese Woche sechzig geworden, und in der Familiengruppe war viel los. Hauptsächlich mit Fotos von seinem Schnurrbart aus dem Jahr 1987. Ich werde sie heute Abend nicht zeigen. Mama hat mich sehr nett darum gebeten. Ein bisschen gedroht hat sie auch.

Stattdessen möchte ich euch von einem Samstag im Jahr 1999 erzählen. Ich war neun und fest überzeugt, dass ich nie Fahrrad fahren lernen würde. Papa hat sich einen ganzen Tag freigenommen, was er sonst nie tat, und ist neben mir die Lindenstraße rauf und runter gelaufen, bis es dunkel wurde. Er hat den Sattel erst losgelassen, als ich ihn darum gebeten habe.

Das macht er, auf seine Weise, bis heute.

Als ich zum Studium nach Leipzig gezogen bin, ist er mit dem Transporter sechs Stunden gefahren und hat mir ein Regal aufgebaut, das bis heute ein bisschen schief steht. Als mein Bruder Max um drei Uhr nachts aus Kassel angerufen hat, weil der letzte Zug weg war, hat Papa nur gesagt: „Bleib, wo du bist. Ich komme.“ Und als Mama vor ein paar Jahren krank war, hat er kochen gelernt. Erst schlecht, dann richtig gut. Und er hat uns nie spüren lassen, wie viele Sorgen er sich gemacht hat.

So ist Papa. Er läuft neben dir her und hält fest, bis du so weit bist. Und er lässt los, sobald du ihn darum bittest.

Papa, sechzig steht dir. Und du bist immer noch der Einzige in dieser Familie, der ein Spannbettlaken ordentlich falten kann. Du bist immer noch der Erste, den wir anrufen, wenn es etwas zu feiern gibt, und der Erste, wenn etwas kaputt ist. Meistens ist es das Auto. Danke für jeden Samstag. Wir sind froh, dass wir diesen hier mit dir feiern dürfen.

Bitte erhebt mit mir die Gläser: Auf Papa. Alles Gute zum Sechzigsten!

Warum sie funktioniert

  • Genau ein Scherz über das Alter, der Schnurrbart, und dann geht es weiter.
  • Die Fahrradgeschichte ist das Rückgrat: Jedes spätere Beispiel zeigt dieselbe Geste.
  • Ein schweres Jahr bekommt einen warmen Satz, ohne dass die Feier traurig wird.

Rede zur Pensionierung eines Kollegen (Schweiz)

Anlass
Pensionierung, Apéro im Betrieb
Wer spricht
Eine langjährige Kollegin
Länge
Etwa 3 Minuten (340 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Ruedi, liebe Vreni,

ich weiss, der Apéro wartet, darum halte ich mich kurz. Ruedi würde jetzt sagen: «Red nöd so lang, mach.» Aber heute muss er mir ausnahmsweise ein paar Minuten zuhören.

Achtunddreissig Jahre war Ruedi bei uns im Werkhof. Als er angefangen hat, gab es im Büro noch keinen Computer, dafür einen Schneepflug, den nur er zum Laufen brachte. Den Schneepflug gibt es längst nicht mehr. Ruedi hat ihn bis zum Schluss vermisst.

Als ich vor zwölf Jahren hier angefangen habe, hat Ruedi mir am ersten Tag zwei Dinge gesagt. Erstens: «Das Werkzeug kommt am Abend dahin zurück, wo du es am Morgen geholt hast.» Zweitens: «Wenn jemand aus dem Dorf anruft, ist es für ihn wichtig, auch wenn es nur um einen Dolendeckel geht.» Ich habe beides nie vergessen. Und die Werkzeugwand hängt bis heute so, wie er sie 1994 eingerichtet hat. Niemand hat sich je getraut, etwas daran zu ändern.

Ruedi war der, der im Januar um vier Uhr morgens als Erster die Strassen geräumt hat, damit der Schulbus durchkommt. Der, der nach dem Unwetter 2005 drei Nächte durchgearbeitet hat und am vierten Morgen trotzdem Gipfeli für alle mitbrachte. Und der, der jedem Lernenden, wirklich jedem, gezeigt hat, wie man eine Schaufel richtig hält. Einige von ihnen stehen heute hier, als Vorarbeiter.

Ruedi redet nicht viel, aber er merkt alles. Wenn es jemandem nicht gut ging, stand am nächsten Morgen ein Kaffee an seinem Platz, ohne Kommentar. Das war seine Art zu fragen, wie es geht.

Lieber Ruedi, Vreni hat uns verraten, dass das Velo schon frisch geölt im Keller steht und dass ihr im Frühling den Bodensee umrunden wollt. Wir wünschen euch dafür nur Rückenwind. Und wenn es im Januar wieder einmal richtig schneit, darfst du gerne zuschauen, wie wir es ohne dich machen. Wir haben es ja bei dir gelernt.

Danke für achtunddreissig Jahre, für deine Ruhe, deine Geduld und deine Werkzeugwand. Darf ich euch bitten, das Glas zu erheben: Auf Ruedi und auf alles, was jetzt kommt. Zum Wohl!

Warum sie funktioniert

  • Schweizer Schreibweise und Wörter, die man im Betrieb wirklich sagt: Apéro, Velo, Gipfeli, Lernende.
  • Die Laufbahn wird an Gewohnheiten erzählt, die alle wiedererkennen, nicht als Liste von Funktionen.
  • Kein Wort über das Alter, dafür ein Blick auf das, was Ruedi und Vreni vorhaben.

Kurze Dankesrede an das Team

Anlass
Projektabschluss im Büro
Wer spricht
Die Teamleiterin
Länge
Etwa 2 Minuten (235 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

So, ihr Lieben, zwei Minuten, dann gehört die Pizza euch.

Vor sechs Monaten habe ich hier gestanden und gesagt, dass wir bis Ende September alle Kundinnen und Kunden auf das neue Buchungssystem umstellen. Ein paar von euch haben gelacht. Aylin hat „September welchen Jahres?“ an das Whiteboard geschrieben, und ich habe es stehen lassen, weil die Frage berechtigt war.

Letzten Freitag um 16:52 Uhr ist das letzte Kundenkonto umgezogen. Einundvierzigtausend Konten, und keine einzige Buchung ist verloren gegangen.

Ich möchte mich richtig bedanken, denn „super Teamwork, Leute“ reicht dafür nicht. Danke, Marco, für die Nacht im Juli, als der Import um elf Uhr abends abgebrochen ist und du geblieben bist, bis er sauber durchlief, und am nächsten Morgen um neun wieder da warst, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Danke, Aylin, für die Checkliste mit allen dreiundneunzig Punkten, an die wir uns gehalten haben und die funktioniert hat. Danke, Jana und das ganze Support-Team, dass ihr in der Woche der Umstellung doppelt so viele Anrufe angenommen habt und bei jedem einzelnen ruhig geblieben seid. Und danke an alle, die still die Arbeit anderer mit übernommen haben, damit die sich auf das Projekt konzentrieren konnten.

Das meiste davon war sorgfältige, unspektakuläre Arbeit, gut gemacht, immer wieder, von Menschen, denen es wichtig war, dass es stimmt. Etwas Besseres kann ich über ein Team nicht sagen.

Aylin, du darfst den September jetzt vom Whiteboard wischen. Danke euch allen.

Warum sie funktioniert

  • Ein Dank mit Namen, für etwas Bestimmtes, statt eines allgemeinen „gut gemacht“.
  • Ein Satz vom Anfang des Projekts kommt am Ende zurück und schließt es ab.
  • Zwei Minuten, im Stehen gesagt, bevor die Pizza kalt wird.

In Erinnerung

Trauerrede für eine Großmutter

Eine Trauerrede braucht etwas anderes: weniger Pointen, mehr Raum zum Atmen und Worte, die nach dem Menschen klingen, der an einem sehr schweren Tag spricht. Auch dieses Beispiel ist erfunden. Es zeigt, wie aus Erinnerungen ein Abschied werden kann.

Anlass
Trauerfeier
Wer spricht
Eine Enkelin
Länge
Etwa 5 Minuten (559 Wörter)

Erfundenes Beispiel, geschrieben, um den Stil zu zeigen

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde meiner Oma, liebe Trauergäste,

danke, dass ihr heute alle hier seid. Ich bin Lea, eine von Gerdas fünf Enkelkindern. Oma hätte sich über jeden Einzelnen von euch gefreut. Und sie hätte sich Sorgen gemacht, ob genug Kuchen da ist.

Meine Oma hatte eine alte Blechdose voller Knöpfe. Hunderte, und keiner passte zum anderen. Wenn es uns als Kindern zu laut wurde, schüttete sie die Dose auf dem Küchentisch aus und bat uns, ihr „den schönsten“ herauszusuchen. Das konnte eine Stunde dauern. Es hat immer geholfen.

Erst viel später habe ich verstanden, dass es nie um die Knöpfe ging. Sie hat uns ihre Zeit geschenkt und ihre ganze Aufmerksamkeit, und sie hat ein Spiel daraus gemacht. So hat sie Menschen geliebt. Leise, geduldig, und so lange es eben dauerte.

Gerda wurde 1937 in Bielefeld geboren, als Zweite von vier Geschwistern. Mit fünfzehn begann sie eine Lehre in einem Stoffgeschäft, und ich vermute, dort haben auch die Knöpfe ihren Anfang genommen. 1958 lernte sie beim Tanz im Gemeindehaus Opa Heinz kennen. Er trat ihr zweimal auf den Fuß. Sie hat später gern erzählt, dass sie ihn auch deshalb geheiratet hat, damit er das bei keiner anderen mehr tut. Einundfünfzig Jahre waren die beiden verheiratet, und seit Opa vor vierzehn Jahren gestorben ist, hat sie ihn jeden Tag vermisst.

Zwanzig Jahre lang war sie Sekretärin an der Grundschule am Lindenweg. Sie kannte jedes Kind beim Namen und die meisten ihrer Geheimnisse. Noch heute sprechen Leute meine Mutter beim Einkaufen an und erzählen, dass Frau Hartmann es war, die ihnen trockene Socken gegeben hat, oder die zu Hause angerufen hat, als sonst niemand gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte.

Für uns war sie einfach Oma. In ihrer Wohnung roch es nach Toast und Kernseife. Auf der Sessellehne lag immer ein halb gelöstes Kreuzworträtsel, daneben ein Kugelschreiber, der nicht schrieb. Sie hat jedem von uns Rommé beigebracht und uns nie gewinnen lassen. Das wäre ungerecht gegenüber dem Nächsten, gegen den wir spielen, hat sie gesagt.

Sentimental war sie nicht. Als ich im ersten Semester voller Heimweh bei ihr anrief und ihr mein ganzes Elend erzählte, hat sie lange zugehört und dann gefragt: „Kind, hast du schon was gegessen?“ Hatte ich nicht. Ich habe mir ein Spiegelei gebraten, und es ging mir besser. An diese Frage habe ich seitdem oft gedacht. Es ist eine sehr gute Frage.

Die letzten Jahre waren schwer, und sie würde nicht wollen, dass wir lange dabei verweilen. Ich möchte nur sagen, dass die Pflegerinnen im Haus am Park liebevoll mit ihr umgegangen sind, und sie mit ihnen, bis zum Schluss. Sie hat noch nach ihren Kindern gefragt, jedes mit Namen.

Wenn ich zu sagen versuche, was sie uns hinterlässt, komme ich immer wieder an diesen Küchentisch zurück. Zu der Erfahrung, dass man einem Menschen seine ganze Aufmerksamkeit schenken kann und es sich anfühlt wie das Selbstverständlichste der Welt. Dass man lieben kann, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Dass die kleinen Dinge, ein Paar trockene Socken, ein Knopf, die Frage, ob man schon gegessen hat, oft die großen sind, nur gut versteckt.

Oma, danke für deine Zeit. Für all die Nachmittage am Küchentisch und für jede Partie Rommé, die du uns nicht hast gewinnen lassen. Wir versuchen, anderen das zu geben, was du uns gegeben hast.

Mach es gut, Oma. Wir haben dich lieb.

Wie sie aufgebaut ist

  • Sie beginnt mit einem kleinen, wahren Bild, der Knopfdose, und lässt es die Bedeutung tragen.
  • Das Leben wird in wenigen schlichten Fakten erzählt und dann in dem, wofür man sich an sie erinnert.
  • Die schweren letzten Jahre bekommen einen behutsamen Satz, und der Abschied ist kurz genug, um ihn unter Tränen zu sagen.

Mit den eigenen Erinnerungen beginnen

Wie diese Beispiele entstanden sind

Wir haben jedes Beispiel so geschrieben, wie eine echte Bestellung abläuft: ein paar erfundene Geschichten, die Beziehung zur gefeierten Person, der Ton und die Länge, und daraus die Rede, nur aus diesen Angaben. Namen, Orte und Daten sind ausgedacht, und keine dieser Personen ist eine Kundin oder ein Kunde von uns.

Ihre Rede wird anders klingen als diese hier. Sie entsteht aus Ihren Geschichten und in Ihrem Ton, und Sie können jede Zeile ändern oder vor dem großen Tag eine neue Fassung anfordern.

Bereit für Ihre eigene Rede?

Ein paar Fragen, zwei oder drei Geschichten, und Sie sehen, wie Ihre Rede beginnt, bevor Sie sich entscheiden.

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